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Rückfälle und Kosten als Folge strafrechtlicher Entscheidungen
ISONA-Resozialisationsforschung

Der Justizkalkulator berechnet die Folgen von Haftstrafen und ambulanten justiziellen Maßnahmen (in der Regel im Rahmen von Bewährung) in Deutschland für die vier Deliktbereiche Eigentum, Gewalt, sexuelle Selbstbestimmung und Verkehr in Bezug auf die zu erwartenden Rückfälle und Kosten. Durch Modellberechnungen können Sie erkunden, wie es sich auswirken würde, wenn mehr Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt oder umgekehrt mehr Verurteilte inhaftiert werden, sowie wenn Behandlungsangebote oder Strukturreformen im Vollzug die Rückfallhäufigkeit der Haftentlassenen senken.

Rückfälle / 100 Fälle
Vergleich IST-Stand
Ersparnis pro substituiertem Fall
— €
Marginalkosten der Sicherheit
Ambulante Fälle/Jahr
A/B-Szenario
Veränderung der Gesamtkosten/Jahr
— €

Rückfallraten: Haft vs. Ambulant

Rückfallquote nach Deliktgruppe und Maßnahmentyp

Kosten pro Fall

Differenzkosten je Maßnahme in €

Kosten-Effizienz-Matrix

Kosten pro Fall vs. Rückfallrate

Sicherheitsgewinn vs. Kostendifferenz

Risikoreduktion und Kostenersparnis durch ambulante Maßnahmen

Detailvergleich

Vollständige Kennzahlen je Deliktgruppe

Delikt Maßnahme Rückfallrate €/Tag Dauer (Tage) Kosten Ausgang/Fall Folgekosten durch Rückfall Differenzkosten inkl. Folge Jehle-Folge: unbed. FS / Bew.

Kriminalpolitische Hintergründe: Erstens zeigen kurze Freiheitsstrafen häufig keine überzeugenden Vorteile gegenüber gemeindebasierten Sanktionen. Sie unterbrechen Arbeit, Wohnung und Familienkontakte und können soziale Desintegration verstärken. Zweitens scheint die Qualität der Übergangsphase entscheidend zu sein: Arbeit, Ausbildung, Wohnung, Suchtbehandlung, psychische Stabilisierung, soziale Beziehungen und strukturierte Bewährung sind für die Rückkehr in die Gesellschaft wichtiger als die bloße Dauer der Haft. Drittens kann Freiheitsentzug bei hochgefährlichen Personen eine legitime Sicherungsfunktion besitzen. Diese Funktion darf nicht mit Resozialisierung verwechselt werden: Ein Täter begeht während der Haft keine Straftat außerhalb der Anstalt – daraus folgt aber noch nicht, dass er nach seiner Entlassung weniger gefährlich ist. Viertens gibt es Hinweise darauf, dass eine übermäßige Inhaftierung selbst kriminalitätsfördernde Wirkungen besitzen kann. Umfangreiche Reviews (z.B. David Roodman) zeigen, dass härtere und längere Inhaftierung an den typischen politischen Rändern nur geringe abschreckende Wirkungen besitzt und teilweise sogar kriminalitätssteigernde Folgen nach der Entlassung haben kann. (Prof. Dr. Torsten Klemm, ISONA)

Quellen

Datenbasis und wissenschaftliche Referenzen

Rückfallstatistik (Hohmann-Fricke/Jehle 2024)

Bundesweite Rückfalluntersuchung 2016–2019. Drei-Jahres-Rückfall und Art der Folgeentscheidung nach Deliktgruppe und Ausgangssanktion; Folgeentscheidungen werden für die Kostenmodellierung getrennt bewertet.

BMJV — Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen →

Dritter Periodischer Sicherheitsbericht

BMJV/BfJ 2023. Rückfallquoten nach Sanktionsart, Alter und Delikt. 34% allgemeine Rückfälligkeit binnen 3 Jahren (Bezugsjahr 2013).

BfJ — 3. Periodischer Sicherheitsbericht (PDF) →

Strafvollzugskosten

~150–200 € pro Häftling/Tag (NRW 2023: 200 € bei 75% Auslastung). Bewährungshilfe: ~2,50 €/Tag. Quellen: Handelsblatt/Wiwo 2025, ADB.

Handelsblatt — Haftkosten JVA → ADB — Zahlen, Daten, Fakten →

Rückfall Sexualstraftäter (Meta-Analysen)

Einschlägige Rückfallquote: 12,7% (Kindesmissbrauch) bis 18,9% (Vergewaltigung) nach 4–5 Jahren. Allgemeiner Rückfall: 36,3%. Behandlung senkt einschlägigen Rückfall um 26%.

BMJV — Erster PSB: Sexualstraftäter → Max Planck — Sozialtherapie Sexualstraftäter →

Lösel et al. 2023 — Sozialtherapie Bayern

Multizentrische Studie, ~9,3 Jahre Katamnese. Allgemeiner Rückfall: 35,9% (Behandlung) vs. 41,4% (Kontrolle). Einschlägig: 6,0% vs. 8,0%.

Bundesgesundheitsblatt 2025 (PMC) →

Ambulante Behandlung Sexualstraftäter

KrimZ-Evaluation: 6,0% einschlägiger Rückfall (Therapie) vs. 28% (Kontrolle). Allgemeiner Rückfall: 21,4% vs. 42,8%.

KrimZ — Extramurale Behandlung (PDF) →

Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA)

PKS 2025: 131.335 Sexualdelikte (+2,8%); 14.454 Vergewaltigungen (+8,5%); 17.126 Fälle Kindesmissbrauch (+4,7%).

BKA — PKS 2025 → BKA — Bundeslagebild Sexualdelikte →

Heinz (Uni Konstanz) — Rückfallforschung

Rückfallraten nach Deliktgruppen: Schwerer Diebstahl 59%, Raub 58,5%, Tötung 26,9% (4 Jahre). Grundlagendarstellung der Rückfall- und Wirkungsforschung.

Uni Konstanz — Heinz Rückfallforschung (PDF) →

Haftkosten nach Bundesland

Tageshaftkosten je Bundesland: NRW 2024: 202,73 €; Berlin 2023: 193,20 €; Saarland 2023: 138,05 €; Schleswig-Holstein 2023: 257,04 €; MV 2024: 188,98 €; Bundesschnitt 2023: 182,53 €.

NRW Justiz — Kosten 2024 (PDF) → Berlin — Tageshaftkosten 2023 (PDF) → Zeit — Haftkosten nach Bundesland 2025 →

Gefangenenzahlen nach Bundesland

43.746 Strafgefangene gesamt (31.03.2024). NRW: 9.846; BW: 5.400; Hessen: 2.863 Strafgefangene. Bayern 33 JVAs. 183 JVAs bundesweit.

Destatis — Strafvollzug 2024 → Statistik-BW — Strafvollzug 2024 (PDF) → Statistik Hessen — Strafvollzug 2024 →